«Die Bologna-Reform hat die Universitäten stark verschult», sagt Bruno S. Frey.
Lieber Herr Frey, Ihre beeindruckende akademische Laufbahn begann in den späten 1960er-Jahren – und dauert bis dato an. Hand aufs Herz: Was waren die Highlights Ihrer Forschung?
Was bedeutet das konkret – wo greifen Ökonomie und Politik ineinander?
Zur Person
Prof. Dr. Mathias Binswanger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten und Privatdozent an der Universität St. Gallen. Er war zusätzlich Gastprofessor an der Technischen Universität Freiberg in Deutschland, an der Qingdao Technological University in China und an der Banking University in Saigon (Vietnam). Mathias Binswanger ist Autor von zahlreichen Büchern und Artikeln in Fachzeitschriften und in der Presse. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Makroökonomie, Finanzmarkttheorie, Umweltökonomie sowie in der Erforschung des Zusammenhangs zwischen Glück und Einkommen.

Sie haben den politischen Betrieb nicht nur mit scharfem Blick analysiert – sie haben auch gleich ganz neue Regeln vorgeschlagen.
Ich ahne es – aber lassen Sie uns zur Institution übergehen, die Ihnen jahrzehntelang Heimat, Bühne und Reibungsfläche war: zur Universität. Wenn Sie heute auf Ihre Jahrzehnte in der Akademie zurückschauen – was hat sich im Universitätsbetrieb am stärksten gewandelt?
«Die prägnanteste Veränderung ist die Bologna-Reform. Sie hat die Universitäten stark verschult und ihnen viel von ihrer Eigenart genommen.»
In welchem Verhältnis steht diese «Verschulung» zur akademischen Freiheit?
Und was bedeutet dieser Trend für den Stil des Forschens – ist noch Platz für das Suchende, das Zweifelnde?
Aber spätestens wenn es um wissenschaftliche Publikationen geht, muss doch ein echter Wettbewerb der Ideen stattfinden?
Bedeutet das, dass sich Forscher letztlich an den Erwartungen der Gutachter ausrichten?
«Letztlich findet eine Überakademisierung statt. Die Zahl der Studenten ist absolut und im Verhältnis zur Bevölkerung zu stark gestiegen. Damit wird vorwiegend Quantität erzeugt.»
Reicht es heute also, möglichst oft zitiert zu werden – ganz egal, womit?
Wie sieht es denn mit der Qualität der Lehre aus? Immerhin steigen die öffentlichen Bildungsausgaben seit Jahren stark an.
Was hat dieser Wandel mit den Studenten gemacht?
Tragen da die Dozenten nicht auch ihren Teil dazu bei?
«In einem ausführlichen Gespräch mit Professoren ist zu klären, ob jemand eine echte wissenschaftliche Neugier mitbringt.»